M.Pálfy: Akt blond digi, 2013-2015, 20 x 20 cm
Screenographie
Original Digital-Druck auf Glas, schwebend gerahmt
Limitierte Auflage 1/20

 

ohne Rahmen

 

„Was heißt Screenographie schwebend gerahmt“, fragte meine Mutter beim Kaffeetrinken, „das habe ich in deinem Katalog gelesen“.

„Schau, Mama“, sagte ich, „ich zeige dir eine Screenographie, schwebend gerahmt.  Siehst du, so einfach, zeitlos und doch so modern ist das:

Zwischen dem edlen Digital-Glasdruck und der Rückwand des weißen, in Italien angefertigten Rahmens  ist ein Stück Distanzholz. So wirft das Glasbild einen spannenden Schatten, es scheint im Rahmen zu „schweben“. Kleinere Screenographien wie diese wirken schwebend gerahmt viel besser, als  unter einem anderen Glas und Passepartout gesteckt!“

„Aha“, sagte meine Mutter. „Aber ich kenne diese Aktstudie von dir von früher, das war doch eine Zeichnung auf Papier mit Kohle! 70 x 70 cm-Format ! Was ist mit der Zeichnung passiert, wie kommt die auf diese 20 x 20 cm Glasfläche, wieso ist sie blau, wieso ist sie so „entflammt“?

„Weißt du, Mama, das lebendige Modell habe ich damals, 2013 wirklich auf Papier gezeichnet. Meine Aktstudie habe ich aber sofort fotografiert, das Foto von ihr digitalisiert, gespeichert. Als mich meine künstlerische Intention zu neuen, revolutionären Wegen führte, habe ich im Jänner 2015 mein Aktbild mit Bildbearbeitungsprogramm am Bildschirm so lange gefiltert, verändert, bis sie so geworden ist wie du sie siehst: vor Sehnsucht glühend und trotzdem kühl. „

„So gefällt mir das Bild viel besser“, sagte meine Mutter, „schließlich musst du immer neue Wege finden, aber wieso nennst du diesen Glasdruck Screenographie? Vor zwei Jahren hast du so eine Nackerte noch als Aktstudie bezeichnet.“

„Nun, Mama, pass auf: Etwas, was nur virtuell existiert, nur am Bildschirm,  kannst du nicht im Wohnzimmer aufhängen, stimmt?“

„Doch, doch“, sagt sie und dabei betont, dass sie an Hand meiner Facebook-Seite  schon versteht, dass man virtuell existierende Bilder wohl aufhängen kann. „Ich habe doch diese gerahmten Fernseher dort gesehen, da schaut dein virtuelles Bild wie ein reales aus. Und sogar mehrere solche waren dort aufgehängt. Und die heißen auf Englisch Flatscreen, nicht wahr? Also am Bildschirm geschaffen, am Bildschirm verändert, für den Flat-Screen Full-HD gemacht – eh klar, dass du diese virtuellen Aktbilder Screenographie nennst. Gibst du mir die Datei, dann zeige ich sie meiner Nachbarin auf Tablet“, sagte sie, meine stolze Mutter. „Außerdem, auf Glas gedruckt schaut das digital erschaffene Bild selbst ein bisschen wie die Oberfläche von einem Tablet und gar nicht wie Zeichnungen von damals aus. Ist eigentlich ein Original-Digital-Glasdruck so etwas wie eine Originalzeichnung vom früheren Jahrhundert, aus meiner Zeit? Wie eine moderne Lithographie? Aha… Gute Idee: so ein kleiner Digitaldruck auf Glas, schwebend gerahmt, glänzend wie ein Smartphone. Traditionelles Motiv, moderne Lösung.Aber ich würde dieses Bild trotzdem nicht im Wohnzimmer aufhängen.“

„Ach, nein? Warum nicht?“

„Weil ich es eher im SCHLAFZIMMER aufhängen würde“, verkündete sie mit der Stimme einer Siegerin und trank ihren Kaffee.

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